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Was ist Verhalten?

In der Umgangssprache bezeichnen wir das Verhalten zumeist mit bestimmten Eigenschafts-wörtern wie freundlich, hilfsbereit, höflich, unverschämt, grob, dreist, usw.. Genau genommen benennen wir damit jedoch, wie wir das, was jemand sagt oder tut, empfinden - und dies kann sich je nach Situation ändern. Die Nachbarin, die immer mit uns schwatzen will, können wir als nett oder aufdringlich empfinden, je nachdem, wie wir selbst gerade drauf sind. Wenn wir objektiv sein wollen, können wir nur sagen: Sie schwatzt gern.

Sprechen wir über Tiere, wird es noch schwieriger, anderen anhand von Eigenschaftsbegriffen zu erklären, wie sich ein Tier verhält, weil jeder mit zahm, lieb, scheu, ängstlich, laut, usw. etwas anderes verbindet.

Daher gilt in diesem Artikel (und auf der ganzen Webseite) die Definition aus der Verhaltenslehre:
Verhalten ist das, was ein Tier tut, das, was wir beobachten und genau beschreiben können, z. B.: der Papagei: weicht zurück, wenn wir die Hand  nach ihm ausstrecken; kommt, wenn wir ihn rufen; schreit, wenn wir das Zimmer verlassen; usw.. Eine solche Beschreibung ist eindeutig, für Fremde verständlich und frei von subjektiver Beurteilung.

Verhalten ist das, was ein Tier tut.

Jedes Verhalten hat für das Tier einen bestimmten Zweck und ein Ziel.

Das Verhalten wird deshalb ausgeführt, weil dadurch in der Vergangenheit eben dieser Zweck oder dieses Ziel erreicht wurde (der Lerneffekt).

Papageiengeschirr - Ja oder Nein?

Es ist Sommer, wir genießen die frische Luft auf der Terrasse, im Garten oder fahren ins Grüne, wann immer es geht. Bello, unser Hund, ist natürlich immer dabei, kann stöbern und sich austoben, und dort, wo er nicht frei laufen darf, geht er problemlos an der Leine. Wie schön wäre es doch, wenn Jacko, unser Papagei, auch mit nach draußen könnte! Frische Luft und das so wichtige UV-Licht tanken, Gras unter den Füßen spüren, Äste eines richtigen Baumes untersuchen, die Schwingen ausbreiten und ein Stück weit richtig fliegen! Oder auch einfach bei uns auf der Schulter sitzen und dabei sein. Aber das geht ja nicht, er würde wegfliegen... oder sollten wir mal die rund 30 Euro in ein Papageiengeschirr investieren? Es soll ja ganz einfach zu handhaben sein, wenn der Vogel zahm ist, und sicher soll es auch sein. Schließlich hat der Hund sich auch an die Leine gewöhnt und Jacko ist ja intelligent, dann schafft er es bestimmt auch.

Ja, die Idee, mit dem Papagei auf der Schulter nach draußen gehen zu können, weil er durch ein Geschirr und eine Leine gegen Wegfliegen gesichert ist, ist toll, und die Vorstellung, er könne sogar draußen an der Leine fliegen, ist faszinierend. 

Aber ist das wirklich alles so einfach und problemlos und ganz im Sinne des Vogels, wie so häufig gesagt wird? Wird sich unser Papagei das Geschirr anlegen lassen und wird er sich darin wohlfühlen? Wird er draußen bei jedem neuen Geräusch oder jedem fremden Gegenstand, Tier oder Mensch erschrecken? Können wir den Vogel richtig trainieren, ohne sein Vertrauen zu uns zu gefährden? Werden wir mögliche Gefahren und Risiken erkennen und unseren Vogel davor schützen können? Fragen über Fragen. Schauen wir uns die Verwendung eines Geschirrs und einer Leine doch mal unter den Gesichtspunkten Verhalten und Training, Bereicherung für den Vogel, Tierschutz, gesundheitliche Aspekte, zusätzliche Risiken und Fehler des Halters an:

Papageienverhalten und modernes Tiertraining

Papageien sind hochintelligente Tiere, die sehr schnell lernen. Lernen bedeutet für Tiere, ihr eigenes Verhalten, also das, was sie tun, so anzupassen, dass es für sie den größtmöglichen Erfolg und Nutzen hat. Erfolg und Nutzen kann für den Papagei sowohl der Erhalt von Futter, Aufmerksamkeit, Krauleinheiten, usw. sein als auch die Vermeidung oder Beseitigung (sprich: Ausweichen, Flucht oder Beißen) von für ihn unangenehmen, bedrohlich wirkenden oder in dem Moment nicht gewünschten Situationen und Ereignissen.

Modernes Tiertraining basiert auf den Methoden der Angewandten Verhaltensanalyse, der Applied Behavior Analysis (ABA), die so erfolgreich für Kinder mit Autismus angewendet wird. Auf Grundlage dieser Methoden arbeiten die professionellen Tiertrainer und Papageien-Verhaltensberater. Auch das Clickertraining basiert darauf. Dabei wird nur mit positiver Verstärkung (Belohnung) und ohne Zwang und Strafe gearbeitet. Viele Problemverhalten von Papageien (Schreien, Beißen, usw.) könnten vermieden werden, wenn jeder Halter die Grundlagen des Verhaltens und Lernens kennen würde.

Wir wollen unseren Papagei zu nichts nötigen oder zwingen, sondern er soll alles gern und freiwillig tun und mitmachen und Spaß dabei haben. Nötigung und Zwang und als bedrohlich empfundene Reize aus der Umwelt verbindet der Papagei mit der jeweiligen Situation und da der Halter Teil dieser Situation ist, setzt er das Vertrauen des Tiers aufs Spiel, wenn er unangenehme Ereignisse zulässt. Unbedingtes Vertrauen zum Halter ist Voraussetzung dafür, dass der Vogel mitarbeitet. Der Halter muss also viel Geduld aufbringen, muss genau auf die Körpersprache des Tiers achten und darf auch die kleinsten Anzeichen von Unmut und Angst nicht außer Acht lassen. Jeder kleine Fortschritt, jede Annäherung an das gewünschte Zielverhalten, muss mit Lob und der Gabe eines Leckerlis verstärkt werden. Der Vogel soll nur positive Erfahrungen mit dem Halter verbinden.

Modernes Tiertraining kommt ohne Zwang und Strafe aus und bedient sich des Mittels der positiven Verstärkung. Es basiert auf der Angewandten Verhaltensanalyse (Applied Behavior Analysis, ABA), der besten und zuverlässigsten Art und Weise, einem Tier etwas Neues beizubringen. Lesen Sie dazu bitte die Artikel unter Verhalten.

Videos im Internet

Im Internet gibt es eine große Anzahl von Videos, die das Anlegen des Geschirrs, die ersten Gänge nach draußen und auch die Flüge an einer langen Leine zeigen. Unter den gerade genannten Aspekten habe ich mir etliche Videos angeschaut und auf die Körpersprache der Vögel geachtet:

Dies waren alles öffentlich gezeigte Videos, von denen anzunehmen ist, dass der Halter sie gut findet. Er bemerkt nicht, wie unangenehm und ängstigend so manche Situation für den Vogel ist und es ist ihm nicht bewusst, dass er das Vertrauen des Vogels aufs Spiel setzt. Dabei könnte es so einfach sein, dem Vogel ein verlässlicher Partner zu sein, wenn man nur auf die Körpersprache achten und sie in die eigenen Entscheidungen einfließen lassen würde, anstatt den eigenen Willen durchzusetzen und den Vogel zu etwas zu zwingen, was er nicht möchte.

Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz:

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) schreibt in ihrem Merkblatt Nr. 62 von 2010, Titel: Tierschutzwidriges Zubehör in der Heimtierhaltung auf Seite 2, Punkt I.9.:


Brustgeschirre, Leinen u.ä.: Damit wird die artgemäße Bewegung des Vogels eingeschränkt. Auch zahme Vögel reagieren bei Gefahr instinktiv mit Auffliegen und werden unvermutet zurückgerissen, was zu Verletzungen und Frakturen führen kann (s. Stellungnahme zum Flugunfähigmachen bei Papageien).

 

Auf Rückfrage per E-Mail bei der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT), ob der Aviator ebenfalls unter die Merkblätter Nr. 62 und Nr. 114 fällt, erhielt ich am 01.04.2014 folgende Antwort:


"Wir stufen selbstverständlich alle Formen, die in irgendeiner Form die artgemäße Bewegung des Vogels einschränken können, als tierschutzwidrig ein.
Dazu gehören auch die "Flexi-Leine für Papageien" und das Geschirr namens Aviator. Diese waren zwar zum Zeitpunkt des Erstellens des Merkblattes noch nicht auf dem Markt, arbeiten aber nach dem selben Prinzip.
Selbstverständlich erhebt unsere Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder anders ausgedrückt, können wir nicht jeden einzelnen Produktnamen bzw. Firma nennen (daher haben wir ja auch „etc.“ hinter unsere Aufzählung gesetzt)."

 

Gesundheitliche Aspekte

Wie bereits gesagt, sehe ich im Aviator durchaus eine Möglichkeit, unseren Papageien mehr Abwechslung und Lebensqualität zu bieten. Der Aufenthalt an der frischen Luft tut gut, durch das Fliegen werden die Luftsäcke ordentlich durchlüftet und die Muskulatur gestärkt, die vielen neuen Eindrücke tragen zur geistigen Fitness bei. Der UV‐Anteil des Sonnenlichts ermöglicht es, dass der Papagei seine Umwelt in den für ihn richtigen Farben wahrnimmt. (Papageien sehen tetrachromatisch, d.h., sie sehen auch im für Menschen unsichtbaren UV‐Bereich und nehmen Farben daher ganz anders wahr als wir). Es ist wahrscheinlich, dass ein solcher Vogel insgesamt ausgeglichener ist und gelassener reagiert als ein unterfordertes Tier.

Dass die Nutzung des Aviators auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat bzw. der Krankheitsvorbeugung dient, wie oft gesagt wird, klingt plausibel. Dokumentierte Beobachtungen oder gar wissenschaftliche Nachweise, die diese Annahme belegen könnten, gibt es jedoch keine!

Sonnenlicht ist auf jeden Fall gesundheitsfördernd für die Papageien. Das UV‐Licht, genau genommen die UVB‐Strahlung, der Sonne ist für die Bildung von Vitamin D wichtig, das u.a. für die Aufnahme von Kalzium in den Körper erforderlich ist und sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. Fest steht, dass in Wohnungen gehaltene Papageien unter Vitamin‐D‐Mangel leiden, wenn sie es nicht als Nahrungsergänzung erhalten. Ein häufiger Aufenthalt in der Sonne ist also wünschenswert.

Inwieweit die Nutzung des Aviators dazu beitragen kann, dem Vogel mehr Sonnenstunden zukommen zu lassen, lässt sich schwer beurteilen. Zu bedenken ist, dass im Winterhalbjahr in unseren Breiten praktisch keine UVB‐Strahlung vorhanden ist, weil die Sonne zu tief steht. Ferner ist sie bei Bewölkung und starker Luftverschmutzung auch im Sommer gering.

Zum Bedarf an Sonnenlicht, den die verschiedenen Papageien zur Vitamin-D-Bildung haben, gibt es meines Wissens noch keine Untersuchungen. Es gibt jedoch Zahlen für den Bedarf des Menschen, veröffentlicht vom Bundesamt für Risikobewertung, die in unseren Breiten je nach Jahres- und Tageszeit sowie Hauttyp zwischen 5 und 50 Minuten liegt. Quelle BfR

Berücksichtigt man nun, dass die Papageien in der Regel aus tropischen Breiten stammen, wo die Sonneneinstrahlung viel intensiver und ganzjährig verfügbar ist, berücksichtigt man ferner, dass sie Gefieder tragen und nur dann, wenn sie die Flügel spreizen, wirklich Sonne bis zur Haut durchdringt, kann man ungefähr abschätzen, dass für eine ausreichende Bildung von Vitamin D täglich mehrere Stunden Aufenthalt in der Sonne nötig wären. Man muss schon jeden klaren Sommertag nutzen können und den Vogel möglichst in der Mittagszeit fliegen und in der Sonne baden zu lassen, damit die UV‐Strahlung etwas bewirkt. Mit einer Außenvoliere, zur Not auch einem Käfig, der auf Balkon oder Terrasse geschoben wird, lässt sich dies besser und leichter erreichen, da der Vogel darin gewiss länger und öfter die Sonne genießen kann.

Auch wird gesagt, das Fliegen an der frischen Luft wäre eine gute Vorbeugung gegen eine der häufigsten und gefürchtetsten Krankheiten, die Aspergillose. Diese Annahme klingt plausibel, dennoch ist es lediglich eine Vermutung, denn es gibt bislang keinerlei Beweise dafür. Auch bei frei lebenden Vögeln tritt Aspergillose auf.

Sehr kritisch sehe ich auch den Trend bei einigen Züchtern, die ganz jungen Papageien bereits im Babyalter, noch bevor sie fliegen können, mit dem Geschirr bekannt zu machen.

Vor-und Nachteile, Gefahren und Risiken

Ich persönlich kann zwar die Vorteile des Anleinens durchaus nachvollziehen, aber ich sehe auch viele Nachteile. Es ist gut, dem Vogel neue Eindrücke zu verschaffen und ihm etwas mehr Flugmöglichkeiten zu geben, als es in der Wohnung oder Außenvoliere möglich ist. Es ist jedoch nicht gut, das Wenige an persönlicher Freiheit, das dem Vogel in Gefangenschaft verbleibt, nämlich die Entscheidung über das, was er gerade, in diesem Moment tun oder nicht tun möchte, zusätzlich einzuschränken.

Wir geben dem Vogel etwas, das für seine Gesundheit nicht verkehrt ist (Sonne, Bewegung an der frischen Luft, neue Eindrücke), gleichzeitig nehmen wir ihm ein Stück Entscheidungsfreiheit, ein Stück Kontrolle über sein eigenes Verhalten und auch über seine eigenen körperlichen Fähigkeiten ‐ (er schlägt mit den Schwingen und wird dennoch immer langsamer..., er will in eine bestimmte Richtung und wird in eine Kreisbahn gezwungen..., er muss dann fliegen, wenn der Halter es will..., usw.). Wir setzen den Vogel höheren tatsächlichen Risiken und Gefahren aus, als sie in der abgeschlossenen Umgebung einer Außenvoliere, einer Wohnung oder einer großen Halle auftreten können.

Über die offensichtlichen Gefahren, dass sich ein Seil irgendwo verfangen kann, dass sich eine Seilbefestigung lösen kann und der Vogel mit einem Stück Seil davonfliegt, dass der Papagei das Gurtzeug oder Seil problemlos durchbeißen kann, dass das Fluggelände frei von Bäumen, Masten und ähnlichem sein muss, dass freilaufende Hunde oder Greifvögel auftauchen können, usw. wird sich der Halter sicherlich im Klaren sein und darauf besonders achten.

Wir Menschen sind nicht davor gefeit, Fehler zu machen oder durch irgendein Ereignis abgelenkt zu werden und den Papagei einige Minuten unbeobachtet zu lassen. Könnten wir uns hundertprozentig darauf verlassen, immer konzentriert, umsichtig und vorausschauend zu handeln, gäbe es keine entflogenen Vögel und kaum Unfälle im Straßenverkehr. Dies sollte uns dazu veranlassen, die uns anvertrauten Tiere mit geeigneten Mitteln vor allen erdenklichen Gefahren zu schützen, anstatt zusätzliche Risiken durch das Anleinen zu schaffen.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich eine Informationsveranstaltung, einen "Aviator-Flugtag", besucht habe und gesehen habe, wie die Aras des Aviator-Vertreibers flogen. Die Vögel fliegen sehr gut an der langen Leine und haben offensichtlich auch Spaß daran. Sie kommen dabei richtig ins Fliegen mit gestrecktem Körper, fliegen hoch und runter, fliegen Kreise oder von einer Bezugsperson zur anderen. Sie landen sauber auf der Erde und starten auch von dort wieder. Sie haben auch gelernt, beim Geradeausflug die wachsende Zugkraft des Seils richtig einzuschätzen und rechtzeitig von sich aus eine Wende einzuleiten, bevor das Seil zu stark gespannt wird und sie zu einem unnatürlichen Flugmanöver oder Schlimmerem zwingt. Es sind flugerfahrene Vögel, die sicherlich behutsam an den Flug an der Leine herangeführt wurden. Auch beim Anlegen des Geschirrs sind sie ganz entspannt. Wenn sie auf ihrem Freisitz sitzen und gerade nichts zu tun haben, fangen sie allerdings an, sich mit dem Schnabel am Geschirr zu schaffen zu machen. Es ist und bleibt ein Fremdkörper, der sie stört.

Fazit

Papageiengeschirre, speziell das unter dem Namen "Aviator" als Fluggeschirr angebotene, werden im Internet und in anderen Medien massiv als toll, sicher, einfach zu verwenden, gesundheitsfördernd, usw. beworben. Probleme und Misserfolge werden dabei in der Regel verschwiegen, es wird versucht, kritische Stimmen mit Pseudo-Argumenten zu widerlegen.

Der Halter sollte sich nicht nur auf die Aussagen des Herstellers und mitgelieferte Bedienungsanleitung zum Geschirr verlassen, sondern sich intensiv in die Grundlagen des Tiertrainings einarbeiten, denn nur dann kann er im entscheidenden Moment richtig reagieren, wenn die Bedienungsanleitung "nicht funktioniert" oder etwas Außergewöhnliches passiert, wenn man mit dem Vogel im Freien ist. Ein Vogel, der den Rückruf nicht einigermaßen sicher beherrscht, dürfte meiner Meinung nach auch nicht an der Leine fliegen.

Da die wenigsten Papageienhalter die theoretischen Trainingsgrundlagen erlernt haben, kann ich die Haltung der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT), die alle Papageien-Geschirre als tierschutzwidrig einstuft, sehr gut verstehen und teile sie auch. Die TVT erstellt ihre Merkblätter für den durchschnittlichen Tierhalter und setzt dabei ganz auf Sicherheit und Artgerechtigkeit zum Wohle des Tiers.

Der Flug an der Leine ist nicht mit dem echten Freiflug ohne Leine zu vergleichen. Die Vögel müssen wesentlich härter arbeiten als ohne Leine, denn so eine Leine hat einen erheblichen Luftwiderstand. Der Flugraum ist begrenzt, geeignete und begehrte Flugziele und Landeplätze, z. B. Bäume, kann und darf es nicht geben, eine Entscheidungsfreiheit, wann und ob und in welche Richtung er fliegen möchte, hat der Vogel nicht.

Die Verwendung eines Fluggeschirrs und der Flug an der Leine können unter bestimmten Voraussetzungen dennoch eine Bereicherung im Leben der Papageien sein. Zu den Voraussetzungen zählen u.a.: Kenntnisse im Tiertraining, Zeit und Geduld, gute Beobachtungsgabe, rechtzeitiges Erkennen möglicher Gefahren, Gelegenheit und Gelände zum häufigen Training im Freien. Eine geräumige, interessant und abwechslungsreich gestaltete Unterbringung, in der der Papagei und sein hoffentlich vorhandener Partner tun und lassen kann, was er möchte, ist in jedem Falle unabdingbar.

Wer mit dem Gedanken spielt, es mit dem Aviator zu versuchen, sollte sich genau die Pro‐ und Kontra‐Argumente anschauen, sollte überlegen, ob seine Vögel vom Wesen und Charakter her geeignet sind und ob er selbst die Zeit und Geduld für ein langes Training sowie geeignetes Gelände für den Flug an der Leine hat.

Last not Least:
Der Spaziergang draußen und das Fliegen an der Leine
dürfen auf keinen Fall als Kompensation für eine beengte und/oder
reizarme Unterbringung in einem Käfig betrachtet werden!

 



Veröffentlicht: 19.11.2014, letzte Aktualisierung: 23.07.2017