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Papageienverhaltensberater, Papageientrainer gesucht: Trau, schau, wem!

Papageienhaltung ist nicht so einfach, wenn man Wert darauf legt, dass sich der Vogel wohl fühlt, gesund bleibt, keine Verhaltensauffälligkeiten entwickelt und Mensch und Papagei friedlich zusammenleben können. So mancher Halter ist mitunter der Verzweiflung nahe, wenn der Papagei sich einfach nicht so verhalten will, wie man es sich wünscht, bzw. Dinge tut, die kaum tolerierbar sind, wie z. B. Schreien oder Beißen.

Dann wird häufig in Internetforen und sozialen Netzwerken Rat und Hilfe gesucht, jedoch sind die Ratschläge dort meistens oberflächlich, widersprüchlich, treffen oft nicht den Kern des Problems, kurz: sind wenig hilfreich.

So mancher sucht auch nach einem/einer Papageien-Verhaltensberater/in, der/die kostenpflichtige Hilfe und/oder Seminare anbietet. Aber an wen soll man sich wenden? Wer ist gut, wer wird einem wirklich helfen können?

Dazu muss man wissen, dass Papageienberater kein anerkannter Beruf ist und es in Deutschland auch keine Organisation für Papageienberater oder -trainer gibt, die Richtlinien erarbeitet, nach denen gearbeitet werden soll. Mit anderen Worten, jeder darf sich Papageien-Verhaltensberater nennen und kostenpflichtige Dienste anbieten, ohne dass er/sie jemals irgendeine Qualifikation nachweisen musste. Genau das passiert (nicht nur) in Deutschland zur Zeit in zunehmendem Maße.

Von jemandem, der kostenpflichtig Beratung bzw. Seminare zur Lösung von Verhaltens-problemen oder auch nur zum richtigen Umgang mit dem Papagei anbietet, würde ich erwarten, dass er ein fundiertes Wissen über modernes Tiertraining, d.h. in der Angewandten Verhaltensanalyse, hat, sowie Trainingserfahrungen mit einer Vielzahl von Papageien. Außerdem gehören gute Kenntnisse in der Biologie der Vögel, über Ernährung, Unterbringung, Enrichment, gesetzliche Bestimmungen, usw. dazu.

Um Kurse und Beratung anzubieten, genügt es nicht, mit den eigenen zwei oder vier Papageien ein wenig trainiert zu haben. Es genügt nicht, für Halter bestimmte Kurse, Workshops oder Seminare besucht zu haben, es ist tieferes theoretisches Wissen erforderlich. Mit den eigenen Vögeln zu arbeiten, ist eine Sache, fremde Vögel, deren Lebensumstände und deren Halter richtig zu beurteilen und die individuelle Beratung genau darauf abzustimmen, ist etwas ganz anderes.

Ihr künftiger Berater bzw. Trainer sollte bereits auf seiner Homepage angegeben haben, welche Ausbildung er absolviert hat, die ihn befähigt, als Berater tätig zu sein. Hierzu gehören insbesondere Aus- und Weiterbildungen, die das moderne, auf der angewandten Verhaltensanalyse basierende Tiertraining betreffen. Ist das nicht der Fall, scheuen Sie sich nicht, danach zu fragen!

Übrigens: Die Mitgliedschaft in einer der internationalen Trainer-Organisationen sagt nicht unbedingt etwas über den Wissensstand aus. Nur zertifizierte bzw. professionelle Mitglieder müssen Theorie-Kurse erfolgreich absolviert haben und praktische Tätigkeit nachweisen können. Einfaches oder aktives Mitglied kann praktisch jeder werden. der den Beitrag bezahlt. Es ist ähnlich wie im Sportverein, jeder kann aktives oder passives Mitglied werden, aber um Übungsleiter oder Trainer zu sein, bedarf es einer Ausbildung.

Vieles von dem, was Sie von einem nicht zertifizierten Berater oder Trainer erfahren werden, können Sie selbst lesen, gratis oder für wenig Geld!
Sie finden auf dieser Webseite viele Artikel darüber, wie Verhalten funktioniert. Holen Sie sich das Buch "Positiv bestärken - sanft erziehen" von Karen Pryor (es ist nicht für Hunde, wie das Titelbild suggerieren mag. Es ist über Verhalten und Verhalten funktioniert bei allen Tieren, einschließlich Menschen, nach dem gleichen Prinzip). Das Lesen wird Ihnen helfen, Ihren Papagei besser zu verstehen und zu einem friedlichen und vertrauensvollen Umgang mit ihm zu kommen.

Über eins müssen Sie sich im Klaren sein: Kein Trainer kennt einen Zauberspruch oder einen Knopf, mit dem sich ein Papagei, der das Falsche (Beißen, Schreien, usw.) gelernt hat, zurückstellen lässt! Es erfordert systematische und geduldige Arbeit! Arbeit, die in erster Linie Ihnen als Halter zufällt und wenn Sie sich einige Grundkenntnisse aneignen, werden Sie es schaffen und werden auch Fehler im Umgang mit dem Papagei vermeiden können, eben damit es gar nicht erst zu problematischen Verhaltensweisen kommt.

Siehe dazu auch den Artikel "Quo vadis, kommerzielle Papageienberatung in Deutschland?"

 


Veröffentlicht: 08.02.2015, geändert 11.12.2016