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Papageientraining - warum?

Was oft über Training gedacht wird

Das Internet ist voll von Äußerungen wie diesen:

Und so weiter...

Solche und ähnliche Aussagen findet man allenthalben im Internet, besonders in vielen Foren. Stimmen solche Aussagen? Helfen sie dem Halter? Helfen sie dem Vogel? Was ist Training überhaupt? Dies sind Fragen, zu denen ich mir einige Gedanken gemacht habe.

Was ist Training, speziell Vogeltraining wirklich?

Wenn wir mit dem Begriff Training von Tieren konfrontiert werden, denken wir meistens zuerst an irgendwelche Show-Veranstaltungen, wo die Tiere zur Unterhaltung der Zuschauer allerlei Kunststückchen vorführen müssen. Wir glauben, dass die Tiere dazu gezwungen werden, sei es mit Bestrafung, sei es mit Futterentzug, auf jeden Fall schleicht sich bei uns ein ablehnendes Gefühl ein. Wir finden die Show zwar gut, möchten aber gar nicht so genau wissen, wie man die Tiere dazu kriegt, so auf Kommando etwas zu tun.

Möchten aber gar nicht so genau wissen? Warum denn nicht? Ohne Wissen bilden wir uns eine Meinung, schließen uns anderer Leute Meinung an, fällen ein Urteil? Das kann's doch nicht sein, dachte ich mir und habe mich ein wenig schlau gemacht.

Im modernen Tiertraining haben Zwang, Futterentzug, Strafe keinen Raum. Statt dessen wird so gearbeitet, dass das Tier beim Training nur positive Erfahrungen macht und für jede richtig ausgeführte Übung eine angenehme Konsequenz (in der Regel ein Stück leckeres Futter) zu erwarten hat. Nicht richtig ausgeführte Übungen werden vom Trainer ignoriert und das Tier zur Wiederholung aufgefordert. Das Tier entscheidet dabei, ob es die Übung machen will oder nicht, ob also das Futterstückchen interessant genug ist oder eben nicht. Jeder, der schon mal eine Greifvogel-Flugshow gesehen hat, wird sich möglicherweise an Worte des Falkners erinnern, die etwa so lauten: "Es kann schon sein, dass einer keine Lust hat zurückzukommen und sich lieber im Baum ausruht. Dann müssen wir eben warten, bis er es sich anders überlegt, das kann auch mal Stunden dauern." Der Vogel entscheidet!

Ja aber.... bei Papageien? Die werden dadurch doch viel zu sehr auf den Halter fixiert und von ihrem (hoffentlich vorhandenen) Partner entfremdet? Hm, bei einmal oder zweimal täglich vielleicht 20 Minuten Training? Außerdem kann auch mit zwei Vögeln trainiert werden. Sie werden es als willkommene Abwechslung sehen und sich schon aufs nächste Training freuen!

Vielleicht sollten wir erst einmal überlegen, was Training überhaupt ist, was es bedeutet für denjenigen, der trainiert wird und für den Trainer. Für denjenigen, der trainiert wird, bedeutet es nichts weiter als lernen und üben. Für den Trainer bedeutet es, die richtige Methode zu finden, um dem "Schüler" das Lernen zu ermöglichen.

Papageien und Sittiche sind sehr intelligente und lernfähige Tiere, das wird jeder bestätigen können, der Papageien hält. So gut wie alles, was sie tun, haben sie irgendwann gelernt, denn angeboren ist ihnen fast nichts von dem, was sie tun.

Sie können und tun auf einmal Dinge, die ihnen "keiner beigebracht hat", und oftmals sind das nicht gerade die Dinge, die uns gefallen. "Keiner beigebracht" mag insofern stimmen, als wir sicherlich nicht die Absicht hatten, ihm beizubringen, hinterherzurufen, wenn wir den Raum verlassen oder irgendwelchen Blödsinn anzustellen. Wir haben dennoch unbewusst die "richtige Methode" angewendet, um ihn genau das lernen zu lassen, denn einfach so aus sich heraus hat er das nicht!

Lernen

Hier ist ein kurzer Exkurs fällig, wie Lernen funktioniert. Der Vogel tut etwas und hat Erfolg damit, also wird er es wieder tun. Der Vogel kriegt das erste Mal im Leben einen Sonnenblumenkern, kaut darauf herum, bis die Schale aufplatzt und merkt, das da drin schmeckt lecker! Beim nächsten Sonnenblumenkern wird er wieder darauf herumkauen, bis er aufplatzt und wieder: Lecker! Die nächsten Kerne werden schneller aufgemacht sein... Du setzt den Vogel in die Voliere und gehst aus dem Raum, er ruft, du gehst zurück, redest mit ihm, gibst ihm vielleicht noch eine Nuss oder sein Spielzeug, bevor du wieder gehst. Das machst du 2-3 Mal, und was hat der Vogel nun gelernt? Hinterherrufen hat Erfolg! Er nagt an den Möbeln, du schimpfst mit ihm, holst ihn da weg. Na prima, Du hast dich mit ihm beschäftigt!

Papageien sind intelligent, aber wir dürfen diese Intelligenz auch nicht überschätzen und dem Vogel unterstellen, er täte irgendwas in unseren Augen Ungehöriges, um uns zu ärgern. Er tut es nur deshalb, weil es für ihn Erfolg bringt, einen Nutzen hat. Das dürfen wir nie, wirklich nie vergessen im Umgang mit den Tieren.

Zurück zum Training:

Wir trainieren den Papagei ständig, durch unsere Anwesenheit, durch das, was wir in seiner Nähe tun, durch das, was wir mit ihm tun, denn wir schaffen damit die Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen er etwas lernt. Selbst der Volierenvogel mit wenig Kontakt zum Menschen wird auf diese Weise trainiert, denn wir bringen schließlich das Futter, machen sauber, bringen frische Äste, usw.

Alles, was wir tun müssen, damit der Papagei nichts in unseren Augen Falsches lernt, ist, unser eigenes Verhalten ihm gegenüber, unser eigenes Tun in seiner Nähe, so zu ändern, dass er etwas "Gutes" lernt - und schon haben wir gezieltes Training!

Sind wir immer noch der Meinung, Training wäre überflüssig?

Eine Tiertrainerin in einem sehr schönen und großzügigen Robbarium sagte während der Schaufütterung in etwa Folgendes: "Glauben Sie, wir lassen die Seehunde mit Bällen spielen, auf Zuruf heranschwimmen und sich zum Ende der Show alle nebeneinander am Beckenrand aufreihen, nur damit es etwas zu gucken gibt? Nein, das hat einen tieferen Sinn. Die Tiere haben dadurch Vertrauen zu uns. Wenn sie am Beckenrand aufgereiht liegen, fassen wir sie immer an der Schwanzflosse an. Sie kennen das. Und wenn wir sie impfen müssen, dann gibts problemlos den kleinen Piks in die Schwanzflosse - ohne Stress, ohne Einfangen.

 


Letzte Aktualisierung: 22.03.2016